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Schadensersatz nach fehlerhafter Beförderungsauswahl

Wenn sich herausstellt, dass der Dienstherr eine Beförderungsauswahl fehlerhaft betrieben und "den falschen" Beamten befördert hat, kann sich die Frage stellen, ob der zu Unrecht übergangene Beamte einen Schadensersatzanspruch geltend machen kann.
Sinn macht das nur, wenn der benachteiligte Beamte bei korrekter Durchführung des Auswahlverfahrens wahrscheinlich befördert worden wäre.

Wenn Sie ein Beispiel aus den "Hamburger Verhältnissen" zulassen: die Polizei Hamburg hat ab 2008 stets und ständig gegen Recht und Gesetz verstoßen, so weit es um Beförderungsentscheidungen im gehobenen Dienst ging.
Einige Beamte haben dagegen geklagt - die Verfahren sind unterschiedlich ausgegangen.
Verschiedene Beamte wurden so gestellt, als wären sie seinerzeit befördert worden.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche, auf Schadensersatz wegen Nichtbeförderung gerichtete Klage finden Sie in der Rechtsprechungsdatenbank des Landes NRW mit dem Urteil des OVG NRW vom 27.04.16 - 1 A 2309/14 -.

Voraussetzung ist immer, dass rechtzeitig rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Voraussetzungen eines Schadensersatzanspruchs


Die Voraussetzungen eines Schadensersatzanspruchs, den ein bei einer Beförderung übergangener Beamter gegen seinen Dienstherrn geltend machen möchte, sind nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die folgenden:

1. Der Dienstherr hat das Prinzip der Bestenauslese verletzt (Verstoß gegen Art. 33 II GG / Art. 19 IV GG).
2. Der Dienstherr hat dabei schuldhaft gehandelt, also mindestens fahrlässig.
3. Bei rechtmäßiger Auswahl unter den Beamten wäre dieser Beamte wahrscheinlich befördert worden.
4. Der Beamte hat alles ihm Mögliche getan, um das rechtswidrige Vorgehen zu verhindern.

Insbesondere an dem 4. Kriterium werden diejenigen scheitern, die sich nicht sofort gegen die rechtswidrige Entscheidung mit juristischen Mitteln zur Wehr setzen.


Das Bundesverwaltungsgericht verhandelte am 26.01.12 in einer Sache, die in diesem Zusammenhang interessant sein könnte. Das Aktenzeichen lautet 2 A 7.09.
In der Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts werden die Erwägungen wie folgt zusammengefasst:

Ein Beamter, der in einem Personalauswahlverfahren eine ernsthafte Chance auf Beförderung hat, kann Schadensersatz verlangen, wenn diese Chance durch die rechtswidrige Handhabung des Verfahrens zunichte gemacht worden ist und er es nicht versäumt hat, gegen die Auswahlentscheidung Rechtsschutz zu suchen.
Der Kläger, Beamter beim Bundesnachrichtendienst, wurde von Amts wegen in das Auswahlverfahren zur Besetzung einer Stelle mit Leitungsfunktion einbezogen, doch wurde die Stelle mit einem anlässlich des Auswahlverfahrens aus dem Dienst eines Landes in den Bundesdienst versetzten Konkurrenten besetzt. Der Dienstherr informierte den Kläger über die zu seinen Lasten getroffene Auswahlentscheidung erst, als die Stelle mit dem ausgewählten Kandidaten bereits besetzt worden war.
Der Kläger verlangte von seinem Dienstherrn Schadensersatz. Das erstinstanzlich zuständige Bundesverwaltungsgericht hat der Klage stattgegeben und den Dienstherrn verurteilt, den Kläger so zu stellen, als sei die Auswahlentscheidung zu seinen Gunsten ausgefallen. Der Anspruch des Klägers auf leistungsgerechte Einbeziehung in das Auswahlverfahren ist verletzt worden. Der Dienstherr hat die Auswahlentscheidung auf der Grundlage eines Anforderungsprofils getroffen, das nicht der zu besetzenden Stelle entsprach, sondern auf die Person des erfolgreichen Bewerbers zugeschnitten war, um diesen gegenüber allen Konkurrenten hervorzuheben. Dem Kläger kann auch nicht entgegengehalten werden, dass das Auswahlverfahren abgebrochen worden sei, bevor der letztlich ausgewählte Beamte erstmalig ins Auge gefasst wurde. Der Abbruch eines Auswahlverfahrens setzt nämlich nicht nur einen sachlichen Grund voraus, sondern muss allen betroffenen Kandidaten auch ausdrücklich mitgeteilt werden; daran fehlte es. Schließlich darf der Dienstherr seine Bindung an das verfassungsrechtliche Leistungsprinzip als Auswahlgrundsatz nicht dadurch umgehen, dass der ins Auge gefasste Bewerber - anders als die übrigen Konkurrenten - vor seiner Versetzung in die der zu besetzenden Stelle entsprechende Besoldungsstufe befördert wird. Ebenfalls rechtswidrig war die späte Benachrichtigung der unterlegenen Bewerber, da sie deren Rechtsschutz vereitelt hat.


Die hypothetische Kausalität


Schwierig ist bisweilen die Frage zu klären, ob der übergangene Beamte bei korrekter Handhabung befördert worden wäre. Die Juristen reden davon, es gehe um eine Frage der "hypothetischen Kausalität".
Falls man damals korrekt vorgegangen wäre, welcher Beamte wäre dann ausgewählt worden. Der Kläger?
Dies setzen die Verwaltungsgerichte zum Beispiel in folgende Formulierungen um:
"Zwar hat die Beklagte den Bewerberverfahrensanspruch der Klägerin verletzt. Denn sie hat sie mit der Endnote von ... in die Beförderungsauswahl eingestellt, obwohl ihr eine bessere Endnote, nämlich die Endnote ... zustand. Diese Rechtsverletzung mag auch schuldhaft gewesen sein. Indes führt dieser Rechtsverstoß nicht dazu, dass bei einer leistungsgerechten Einbeziehung der Klägerin in die Auswahl für Beförderungen im Jahre 2009 eine Beförderung hätte stattfinden können. Sie ist aus Rechtsgründen vielmehr ausgeschlossen.
Die inzwischen aufgegebene Beförderungspraxis der Beklagten war auch nach Überzeugung des hier erkennenden Gerichts wegen Verstoßes gegen das Leistungsprinzip des Art. 33 Abs. 2 GG rechtswidrig. Die dafür maßgeblichen rechtlichen Gesichtspunkte sind den Verfahrensbeteiligten bekannt, so dass an dieser Stelle der Verweis auf die Urteile des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichtes vom 20.05.11 (etwa 1 Bf 284/09; 1 Bf 303/09) genügt. Die Klägerin wäre nur dann rein tatsächlich befördert worden, wenn die rechtswidrige Praxis auch in ihrem Fall noch Anwendung gefunden hätte.

Zur Beurteilung des hypothetischen Kausalverlaufes aber ist nicht nur der in diesem Verfahren isoliert gerügte Rechtsverstoß zu betrachten, sondern das Beförderungsauswahlverfahren und seine Konsequenzen insgesamt. Das Bundesverwaltungsgericht (Urteil vom 26.01.12 - 2 A7.09 -, s. oben) führte dazu aus:

"Erforderlich ist ein adäquat kausaler Zusammenhang zwischen der Rechtsverletzung und dem Schaden, d.h. der Nichtbeförderung. Ob ein solcher Zusammenhang gegeben ist, hängt von allen Umständen des konkreten Falles ab. Das Gericht hat demgemäß den hypothetischen Kausalverlauf zu ermitteln, den das Auswahlverfahren ohne den Verstoß gegen Art. 33 Abs. 2 GG voraussichtlich genommen hätte. ... Es muss beurteilen, welchem Bewerber der Dienstherr den Vorzug gegeben hätte, wenn er eine rechtmäßige Alternative verfolgt hätte.

Daraus ergibt sich zweifelsfrei, dass nicht das inzwischen für rechtswidrig erkannte Beförderungsverfahren - lediglich ohne den isolierten Rechtsverstoß im Hinblick auf die fehlerhafte Endnote der Klägerin - den hypothetischen Kausalverlauf bestimmt, sondern nur ein rechtmäßiges Beförderungsverfahren als Grundlage für die Prognose über die Beförderungschancen der Klägerin dienen kann. Mit der Note von ... hätte die Klägerin nach Leistung bestenfalls den Rang ... einnehmen können, wie sich aus der eingereichten Rangliste der Beförderungsbewerber ergibt. In Anbetracht des Umstandes, dass von 921 die Verweildauer im vorangehenden Statusamt der Besoldungsgruppe A 10 von mindestens vier Jahren erfüllenden Beamten lediglich 263 Beamte nach Besoldungsgruppe A 11 befördert wurden, gingen der Klägerin nach Leistungsgesichtspunkten somit mehr als 500 Beamte und Beamtinnen vor. Bei einem Auswahlverfahren, das dem Prinzip der Bestenauslese genüge getan hätte, hätte die Klägerin daher keine Aussicht auf Beförderung gehabt. Angesichts dieser eindeutigen Unterlegenheit der Klägerin gegenüber mehr als 500 Mitbewerbern kommt es unter keinem denkbaren rechtlichen oder tatsächlichen Gesichtspunkt noch darauf an, mit welchen sonstigen rechtlichen Modalitäten ein dem Art. 33 Abs. 2 GG genügendes Beförderungsverfahren hätte ausgestaltet werden dürfen.
Aus dem Umstand, dass im Jahre 2009 Beamte und Beamtinnen befördert wurden, die eine ähnlich schlechte oder sogar noch schlechtere Endnote als die Klägerin aufwiesen, kann sie nichts herleiten. Denn eine Gleichbehandlung im Unrecht gibt es bekanntlich nicht."
Beamtenrecht / Übersicht Beamtengesetze
Konkurrentenschutz
Einleitung
Grundlage: Bestenauslese Konkurrenzsituation gesundheitliche Eignung Disziplinarverfahren Laufbahnbefähigung Beförderungsverbot Beförderungsplanstelle höherwertige Funktion wertgleiche Umsetzung Einengung des Bewerberkreises Leistungsprinzip Beurteilung als Grundlage § 9 BBG (und AGG) spezielle Gesetze Beförderungsrichtlinien
Die Handhabung faires Auswahlverfahren Stellenausschreibung Pflicht? Anforderungsprofil Bewerbungsfrist Vorstellungsgespräch Assessmentcenter Persönlichkeitstest Abbruch der Auswahl Mitteilung von Ablehnung
Was tun im Streitfall? Überprüfung ist eilig Akteneinsichtsrecht Inhalt der Akten Widerspruch Eilverfahren Der Beigeladene
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