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Schadensersatzansprüche gegen Dritte nach Dienstunfall


Dem Beamten kann ein Anspruch auf Dienstunfallfürsorge zustehen, aber daneben kann ihm selbstverständlich der Schädiger (z. B. bei einem Angriff auf den Beamten) oder der Unfallverursacher (bei einem Verkehrsunfall) zum Schadensersatz verpflichtet sein.

Dabei gilt es dann zu sortieren zwischen den Ansprüchen, die dem Beamten gegen den Dritten zustehen, und jenen Ansprüchen, die auf den Dienstherrn übergegangen sind und (nur noch) von ihm gegen den Dritten geltend gemacht werden können (etwa wegen der Gehaltsfortzahlung, wegen der Kosten der Leistungen der Freien Heilfürsorge).
Nicht immer ist die Abgrenzung einfach - ebenso wie die Berechnung.

Der Beamte selbst kann einen Anspruch auf ein Schmerzensgeld haben und zum Beispiel Anspruch darauf, dass ihm wegfallende Zulagen ersetzt werden. Beträchtlich kann die Summe sein, die dem Beamten zusteht, wenn er wegen der Unfallfolgen vorzeitig in den Ruhestand versetzt wird und deshalb nicht mehr seine vollen Bezüge, sondern nur noch ein Ruhegehalt bekommt.
Und wie ist es mit Beförderungen, die zu erwarten gewesen wären, nun aber nicht mehr erfolgen werden?
Alles in allem ein Problemfeld, das im Einzelfall gründlicher Überlegungen bedarf.

Das Kammergericht hat in einem Urteil vom 15.05.00 - 12 U 3645/98 - u. a. befunden:
"Wird ein Beamter durch rechtskräftige Entscheidung eines Verwaltungsgerichts wegen Dienstunfähigkeit aufgrund eines Dienstunfalls in den Ruhestand versetzt, so ist der dem Beamten nach § 35 BeamtVG gezahlte Unfallausgleich auf den zivilrechtlichen Erwerbsschaden anzurechnen, denn der Unfallausgleich gem. § 35 BeamtVG soll die Erwerbsnachteile ausgleichen, die dem Beamten infolge des Unfalls entstehen. Soweit eine Anrechnung auf den Erwerbsschaden geboten ist, ist der Geschädigte wegen des gesetzlichen Forderungsübergangs gem. § 87 a BBG nicht mehr aktivlegitimiert."

Ob das so zutrifft, mag zweifelhaft sein.


Oft ergibt sich das Problem, dass der Schädiger vermögenslos und ohne Einkommen ist, so dass Schmerzensgeldansprüche nicht realisiert werden können.
Hier scheint sich eine Lösung anzudeuten.
Vorreiter ist Bayern mit einem neuen Art. 97 BayBG, der wie folgt lautet:

Art. 97 BayBG:  Erfüllungsübernahme bei Schmerzensgeldansprüchen

(1) Hat der Beamte oder die Beamtin wegen eines tätlichen rechtswidrigen Angriffs, den er oder sie in Ausübung des Dienstes oder außerhalb des Dienstes wegen der Eigenschaft als Beamter oder Beamtin erleidet, einen rechtskräftig festgestellten Anspruch auf Schmerzensgeld gegen einen Dritten, kann der Dienstherr auf Antrag die Erfüllung dieses Anspruchs bis zur Höhe des festgestellten Schmerzensgeldbetrags übernehmen, soweit dies zur Vermeidung einer unbilligen Härte notwendig ist. Der rechtskräftigen Feststellung steht ein Vergleich nach § 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO gleich, sobald er unwiderruflich und der Höhe nach angemessen ist.

(2) Eine unbillige Härte liegt insbesondere vor, wenn die Vollstreckung über einen Betrag von mindestens 500 € erfolglos geblieben ist. Der Dienstherr kann die Erfüllungsübernahme verweigern, wenn auf Grund desselben Sachverhalts eine einmalige Unfallentschädigung (Art. 62 BayBeamtVG) oder Unfallausgleich (Art. 52 BayBeamtVG) gezahlt wird.

(3) Die Übernahme der Erfüllung ist innerhalb einer Ausschlussfrist von zwei Jahren nach Rechtskraft des Urteils schriftlich unter Nachweis der Vollstreckungsversuche zu beantragen. Die Entscheidung trifft die oberste Dienstbehörde, bei Staatsbeamten die Pensionsbehörde (Art. 9 Abs. 2 BayBeamtVG). Soweit der Dienstherr die Erfüllung übernommen hat, gehen Ansprüche gegen Dritte auf ihn über. Der Übergang der Ansprüche kann nicht zum Nachteil des oder der Geschädigten geltend gemacht werden.

Auch Schleswig-Holstein hat eine solche Vorschrift in sein Beamtengesetz aufgenommen:
§ 83a Landesbeamtengesetz Schleswig-Holstein: Erfüllung durch den Dienstherrn bei Schmerzensgeldansprüchen

(1) Hat die Beamtin oder der Beamte wegen eines tätlichen rechtswidrigen Angriffs, den sie oder er in Ausübung des Dienstes oder außerhalb des Dienstes wegen der Eigenschaft als Beamtin oder Beamter erleidet, einen rechtskräftig festgestellten Anspruch auf Schmerzensgeld gegen einen Dritten, kann der Dienstherr auf Antrag die Erfüllung dieses Anspruchs bis zur Höhe des festgestellten Schmerzensgeldbetrags übernehmen, soweit dies zur Vermeidung einer unbilligen Härte notwendig ist. Der rechtskräftigen Feststellung steht ein Vergleich nach § 794 Absatz 1 Nummer 1 ZPO gleich, sobald er unwiderruflich und soweit er der Höhe nach angemessen ist.

(2) Eine unbillige Härte liegt insbesondere vor, wenn die Vollstreckung über einen Betrag von mindestens 250 € erfolglos geblieben ist. Der Dienstherr kann die Übernahme der Erfüllung verweigern, wenn auf Grund desselben Sachverhalts Zahlungen als Unfallausgleich gemäß § 39 SHBeamtVG gewährt werden, oder wenn eine Zahlung als einmalige Unfallentschädigung gemäß § 48 SHBeamtVG oder als Schadensausgleich in besonderen Fällen gemäß § 49 Absatz 1 Satz 2 SHBeamtVG gewährt wird.

(3) Die Übernahme der Erfüllung ist innerhalb einer Ausschlussfrist von zwei Jahren nach Rechtskraft des Urteils schriftlich unter Nachweis der Vollstreckungsversuche zu beantragen. Die Entscheidung trifft die oberste Dienstbehörde oder die von ihr bestimmte Behörde; für Beamtinnen und Beamte des Landes kann die Landesregierung die Zuständigkeit auf die für die Zahlung der Dienst- oder Versorgungsbezüge zuständige Behörde übertragen. Soweit der Dienstherr die Erfüllung übernommen hat, gehen die Ansprüche auf ihn über. Der Übergang der Ansprüche kann nicht zum Nachteil des oder der Geschädigten geltend gemacht werden.



Nur am Rande sei erwähnt, dass Sie ggf. in dem gleichen Umfang wie jedes andere Opfer Ihre Rechte im Strafverfahren (als Nebenkläger) wahrnehmen können.
Bitte beachten Sie, dass Rechtsschutzversicherer für die dadurch anfallenden Kosten meist nicht eintreten.
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